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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach

Christmas Oratorio

Johann Sebastian Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 12.10.18

Klassik Heute
Empfehlung

Naxos 8.574001-02

2 CD • 85min • 2017

Nach der himmelstürmend-fulminanten Johannespassion legt Ralf Otto mit dem Bachchor und Bachorchester Mainz nun Bachs Weihnachtsoratorium vor – und wieder ist es eine tief beeindruckende Aufnahme, die beim Hören immer wieder Glücksgefühle auslöst. Glücksgefühle deswegen, weil man Töne, Motive und Wendungen hört, die man sonst oder so nie gehört hat. Vor allem im Orchester. Das spielt so aufmerksam, so genau ausphrasiert und damit so beredt-lebendig, dass der Chor dabei fast in den Hintergrund gerät. Das meinte wohl auch der Toningenieur, der das Orchester akustisch so weit nach vorne rückt, dass man beim Hören meint, in der ersten Reihe direkt vor den Instrumentalisten zu sitzen und ihnen beim Musizieren zuzusehen.

Dabei wählt Ralf Otto vielfältige Tempi, nimmt manches langsam-bedeutsam, etwa den Choral Schaut hin, dort liegt im finstern Stall, der damit verhaltenes Staunen ausdrückt, oder auch bedächtig-langsam wie die Alt-Arie Schlafe, mein Liebster, die damit als Schlummerlied tiefe Ruhe ausstrahlt, oder auch die vielen Namensnennungen für Jesus in Nr. 38, von denen jede damit ein eigenes Gewicht bekommt, aber auch einzelne Rezitativ-Stellen, die dadurch als theologisch bedeutsam herausgehoben werden: Dass Maria schwanger ist, singt der Evangelist mit bedeutungsschwerem Nachdruck, ebenso, dass sie die Worte in ihrem Herzen bewegt. Ansonsten herrschen meist tänzerisch beschwingte oder auch rasch vorantreibende Tempi, auch das „vivace“ in der Tenor-Arie Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken ist im Wortsinne lebendig.

Georg Poplutz erweist sich wieder als höchst stilsicherer Evangelist, der sorgfältig artikuliert und textintelligent deklamiert, über die Koloraturen in seinen Arien singt er aber oft etwas leicht hinweg, stößt das erste Sechzehntel an und lässt’s dann laufen. Die sehr sichere und selbstbewusst klingende Katharina Magiera könnte für ihren gut geführten und klar konturierten Alt etwas mehr vokalen Liebreiz brauchen, schließlich singt sie von zärtlichen Trieben, sehnlichstem Lieben und Lustempfinden. Der Bass von Thomas E. Bauer hat ein bisschen viel Vibrato, setzt es aber zielgerichtet ein, so dass es manchmal (so in Nr. 8) wie zitternder Verkündungseifer wirkt. Tadellos schön singt die Sopranistin Julia Kleiter. Ihnen beiden und Ralf Otto gelingt es, dass die Nr. 29 (Herr, dein Mitleid) wirklich zum heimlichen Zentrum des Oratoriums wird – wie Günter Jena in seiner tiefschürfenden Monografie formuliert: „Wenn die Interpreten die rechte , verliebt-heitere und doch empfindsam weiche Stimmung des Duetts treffen, kann es nicht nur zum tonartlichen Höhepunkt, sondern auch zum fröhlichen Glanzpunkt der ersten drei Oratoriumsteile werden.“ Und wie die Interpreten diese Stimmung, diese „heitere, etwas ungeduldige Atmosphäre“ (so wieder Jena) treffen! Julia Kleiter und Thomas E. Bauer genießen eifrig und eilfertig die „verliebte, redselig-schwärmerische Länge“ (wieder Jena) dieses Duetts und die übermütig-fröhlichen Oboen tanzen förmlich um die Solisten herum, „als würden die vier Beteiligten sich immer wieder unter die Arme greifen und einen fröhlichen Reigen tanzen“ (so schwärmt wiederum Günter Jena).

Und damit sind wir beim Orchester, das zum heimlichen Bedeutungsträger dieser Aufnahme wird. Selten hört man sonst, wieviel im Orchester „passiert“. Die Barockvioline in der Alt-Arie Nr. 39 begleitet mit hingebungsvoll-zärtlichem, dabei zart-spröden Klang. Die Pauken zeigen von Anfang an, dass sie kaiserliche Instrumente sind, im turbulent-freudigen Ehre-sei-Gott-Chor lachen nicht nur die Choristen koloraturfreudig, sondern stampft das Orchester förmlich freudig auf, wenn die Hirten nach Bethlehem eilen wollen, stürzen ihnen die Violinen geradezu eifrig vorher, im Choral Jesus, richte mein Beginnen produzieren die Hörner nicht, wie wiederum Günter Jena meint, „seufzend phrasierende“, sondern eher selig tanzende Achtel und auch im darauffolgenden Chor Ehre sei Dir, Gott, gesungen tanzen die Oboen – es ist überhaupt viel Tanz in diesem Weihnachtsoratorium. Wenn nicht getanzt wird, findet Ralf Otto für das Orchester ein ziehendes, ja bisweilen, wenn auch genau ausgeformtes, „schwimmendes“ Legato. Das fällt besonders bei der Sinfonia auf, die deswegen durchaus mehr rhythmische Akzente vertragen könnte.

Seinen Mainzer Bachchor lässt Ralf Otto die Choräle grammatikalisch richtig singen, die Kommata beachtend und auch die Fermaten. Ich steh an deiner Krippen hier erklingt andächtig und innig, so kunstfertig wie kunstlos-gläubig. Der Weihnachtsjubel gelingt dem Chor mühelos, in Fallt mit Danken hört man im Chor deutlich die übermütig-fröhlichen Triller, die Sänger machen jedes Tempo mit und drehen am Ende, bei den stolz schnaubenden Feinden, gehörig auf – doch manchmal wünschte man sich einen an Zahl etwas größeren Chor, der auch im Sopran durchaus noch ein paar höhere Frequenzen mehr brauchen könnte.

Weihnachten kann kommen, dieses Bach‘sche Weihnachtsoratorium des Mainzer Bachchores ist ein herrliches Weihnachtsgeschenk und eine reine weihnachtliche Wonne.

Rainer W. Janka [12.10.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Weihnachtsoratorium BWV 248

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julia Kleiter Sopran
Katharina Magiera Alt
Thomas E. Bauer Bass
Bachchor Mainz Chor
Bachorchester Mainz Orchester
Ralf Otto Dirigent
 
8.574001-02;0747313400171

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