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Buchbesprechung

Bärenreiter Verlag
ISBN 3-7618-178 Kassel, 2004

Ulrich Dibelius (Hrsg.)/Ulrich Dibelius (Hrsg.)
Karl Amadeus Hartmann, Komponist im Widerstreit
Herausgegeben von Ulrich Dibelius

347 S., mit vielen Abb.

29,00 €

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3-7618-178

Werk und Persönlichkeit des 1963 im Alter von nur achtundfünfzig Jahren verstorbenen Komponisten und Begründers der Münchner „Musica Viva – Konzerte“ Karl Amadeus Hartmann sind in der jüngeren Zeit – nicht zuletzt aufgrund verschiedener CD-Veröffentlichungen – verstärkt ins Blickfeld gerückt. Rechtzeitig zum 100.Geburtstag im nächsten Jahr legt Bärenreiter einen von Ulrich Dibelius herausgegebenen Sammelband vor, der weniger eine zusammenhängende biografische Gesamtdarstellung, als vielmehr ein aus Beiträgen verschiedener Autoren zusammengestztes mosaikartiges Bild des Menschen, seines Schaffens und seiner alles andere als normal verlaufenen Komponistenkarriere zu geben beabsichtigt. Die herausragende Bedeutung Hartmanns in der deutschen Musik des 20. Jahrhunderts steht außer Zweifel – insofern bezieht sich der Titel nicht etwa auf kontroverse Meinungen über den Komponisten, sondern auf dessen Haltung gegenüber den Zeitumständen und historischen Ereignissen und ihre Auswirkung auf sein Schaffen. In der Tat gibt der kompositorische Nachlass Hartmanns der Forschung einige Nüsse zu knacken – langwierige und verschlungene Entstehungsprozesse, Zurückziehung, Umbenennung, Neubearbeitung oder Vernichtung früher Werke bilden ein kompliziertes Netzwerk, an dem Hartmann durch seine „Verschleierungstaktik“, wie Dibelius es nennt, fleißig mitgestrickt hat. Die zehn Kapitel dieser „Werkbiografie“ versuchen, etwas Licht in die Zusammenhänge zu bringen. Sie behandeln einzelne Werke, Werkgruppen oder Themen wie Hartmanns Arbeiten aus der Zeit seiner „inneren Emigration“ während der Nazi-Herrschaft, seine politische Motivation, sein nicht immer unproblematisches Verhältnis zu den im dritten Reich weniger standfesten Münchner Komponisten-Kollegen Egk und Orff, die verschlungene Genesis seiner Sinfonien und die neuesten Erkenntnisse aufgrund postum wiederaufgefundener Partituren. Dazwischen gestreut finden sich Hartmanns eigene biografische Skizzen sowie erfrischende Zeugnisse von Hartmanns Ehefrau Elisabeth und Sohn Richard. Zusammen ergibt das einen äußerst vielfältigen Mix, von Dibelius als „ungezwungene Spontanatmosphäre“ gekennzeichnet, der vom Leser einige Flexibilität erfordert – im Hinblick auf den Leserhythmus ebenso wie auf die inhaltlichen Erwartungen. Detaillierte Analysen, die über den Anspruch „allgemeinverständliche Werkeinführungen“ hinausgehen, stehen neben Anekdotischem, manches verweilt im Peripheren und nicht allen Autoren ist es so wie dem Herausgeber in seinem abschließenden Artikel gegeben, zum Kern und zur Bedeutung von Hartmanns Persönlichkeit und seiner Musik vorzudringen. Für Kenner bietet das Buch eine interessante Materialsammlung – und wenn es darüber hinaus Leser dazu anregen sollte, sich erstmals hörend auf das Werk des wichtigsten deutschen Sinfonikers des 20. Jahrhunderts einzulassen, hat es seinen Zweck mehr als erfüllt. Der Band enthält zahlreiche Notenbeispiele, Fotos und ein Werkverzeichnis. Die Angaben zur Uraufführung der 1.Sinfonie wären bei den biografischen Daten nachzutragen.

Peter T. Köster (13.12.2004)

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