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Bericht

Samstag, 4. Februar 2012
Klassik Heute - Hörführer

Klare Entscheidung für das Remnant Piano Duo beim ARD-Wettbewerb 2010

Beim ARD-Wettbewerb sind am gestrigen Dienstag Abend im Herkulessaal der Münchner Residenz die Würfel gefallen – zumindest im Fach Klavierduo. In einer überraschend schnell - da einstimmig – gefällten Entscheidung erklärte die Jury die beiden Schwestern Hee Jin June und Hyun Joo June aus Korea zu den Siegerinnen. Eine ausnahmsweise vergebene zweite Auszeichnung ging an das Klavierduo Susan & Sarah Wang aus den USA. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Christoph Poppen war ein klangschöner, stets sicherer Rückhalt für die Finalteilnehmer.

Bei der Bekanntgabe der Gewinner verwies der Vorsitzende der Jury, Andreas Groethuysen, nochmals ausdrücklich auf das von allen Finalteilnehmern gezeigte sehr hohe technische Niveau sowie auf die „extrem hohen Anforderungen“, die der ARD-Musikwettbewerb an die Teilnehmer stelle. Es werde von ihnen eine Leistung verlangt, die sie in ihrem späteren Berufsleben wohl nie mehr abrufen müßten. Erfreut zeigte er sich auch über den großen Publikumszuspruch, der ihn zu der Schlußfolgerung veranlaßte, dass sich die Gattung Klavierduo doch einer großen Beliebtheit erfreut. Ein 1. Preis ging an das Remnant Piano Duo
Ein 1. Preis ging an das Remnant Piano Duo
Foto: BR/Dorothee Falke

Der Sieg der beiden koreanischen Schwestern hatte sich bereits in den Vorrunden angekündigt, zuletzt im Semifinale, wo sie beispielsweise in Bachs C-Dur-Konzert BWV 1061a die thematische Struktur mit großer Präzision und Sinn für anschlagstechnische und farbliche Nuancen sehr plastisch herausarbeiteten. In der Finalrunde überzeugten sie mit einer die feinen Schattierungen des musikalisch-konzertanten Dialogisierens sehr einfühlsam und überlegt darbietenden Interpretation von Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365. Mit einer technisch perfekten im musikalischen Miteinander stets souveränen Leistung gingen sie verdientermaßen als Siegerinnen aus dem Wettbewerb. Geboren 1984 und 1987 in Seoul (Korea), gründeten die Schwestern Hyun Joo und Hee Jin June im Jahr 1997 das Klavierduo Remnant. Beide schlossen ihr Studium am Nikolai Rimsky-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg mit Auszeichnung ab und vervollständigen derzeit dort ihre Ausbildung mit einem Aufbaustudium in der Klasse von Alexander Sandler.

Offenbar ging das Publikum völlig konform mit der Entscheidung der Jury – bestehend aus dem Vorsitzenden Andreas Groethuysen (Deutschland), Lucia Huang (Taiwan), Noriko Ogawa (Japan), Süher Pekinel (Türkei), Martin Roscoe (Großbritannien), Volker Stenzl (Deutschland) und Igor Taymanov (Russland) –, denn auch der Publikumspreis ging an das Remnant Piano Duo aus Korea.

Mit einer sehr konzentrierten und filigranen Interpretation von Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für zwei Klaviere und Orchester E-Dur erzwang das Klavierduo Susan & Sarah Wang aus den USA eine Ausnahmesituation und die Vergabe einer nicht vorgesehenen und unüblichen zweiten Auszeichnung. Die beiden 1983 in Ridgewood (New Jersey, USA) geborenen Zwillingsschwestern erlangten im Jahr 2005 ihren Bachelorabschluß in Piano Performance an der University of Michigan in der Klasse von Louis Nagel und schlossen ihre Ausbildung 2007 mit einem Master an der Manhattan School of Music ab. Derzeit absolvieren sie ihr Konzertexamen im Fach Klavierduo an der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Nicht leer aus ging auch das Klavierduo Gröbner-Trisko. Nach Meinung der Jury lieferten Johanna Gröbner und Veronika Trisko aus Österreich die überzeugendste Interpretation des diesjährigen Pflichtstückes loops’n grains von Minas Borboudakis, einer Auftragskomposition des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD 2010, die im zweiten Durchgang auf dem zu bewältigenden Wettbewerb-Programm stand. Weniger überzeugend gelang ihnen dagegen an diesem Abend das Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 von Wolfgang Amadeus Mozart. Die beiden Österreicherinnen musizieren seit 1996 als Klavierduo zusammen. Geboren 1982 und 1981 in Wien, schlossen beide im Jahr 2000 das gemeinsame Kammermusikstudium am Konservatorium der Stadt Wien mit Auszeichnung ab. Seit 2001 belegt das Duo zudem ein Konzertfachstudium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien in der Klasse von Martin Hughes.

Als vierte Formation stellte sich das Klavierduo Josiane Marfurt und Fabienne Romer aus der Schweiz den kritischen Ohren der Jury. Der 59. Internationale Musikwettbewerb der ARD in München war der erste Wettbewerb überhaupt, an dem die beiden Pianistinnen als Klavierduo teilnahmen und gleich beim ersten Anlauf schafften sie den Sprung ins Finale. Ihr Zugriff auf Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 war eher verhalten, sie boten aber eine über weite Strecken filigran gestaltete intime Innenschau auf Mozarts thematisch-musikalische Charaktere. 1982 bzw. 1984 in der Schweiz geboren, studierten beide an der Züricher Hochschule der Künste in der Konzertklasse von Homero Francesch, wo sie mit dem Konzertdiplom abschlossen. Fabienne Romer studierte im Jahr 2007 in Paris bei Eugen Indjic und im Jahr 2008 in Stockholm bei Steffan Scheja. Zudem erhielt sie eine Ausbildung zur Liedbegleiterin. Josiane Marfurt wurde 2005 in die Klasse von Gerhard Oppitz an der Hochschule für Musik und Theater München aufgenommen und schloss 2007 mit dem Solistendiplom ab. Erst im Jahr 2009 fanden beide als Klavierduo zusammen.

Fazit: Der 59. Internationale Musikwettbewerb der ARD München 2010 bot eine äußerst spannende Finalrunde im Fach Klaverduo mit unterschiedlichen Interpretationsansätzen auf einem sehr hohen musikalischen Niveau.

Josef Manhart, 1.9.2010

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