Der Cellist Julian Steckel erfolgreich beim ARD-Musikwettbewerb 2010
Bei außerordentlich großem Publikumsinteresse, das für einen bis auf den letzten Platz ausverkauften Herkulessaal der Münchner Residenz sorgte, fand am gestrigen Donnerstag abend beim 59. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München das Finale im Fach Violoncello statt. Bis in die Endrunde des den Teilnehmern doch Enormes abverlangenden Wettbewerbs waren vorgedrungen Tristan Cornut (Frankreich), Julian Steckel (Deutschland) und Gen Yokosaka (Japan), wenngleich die im Verlauf des Semifinale gezeigten Leistungen eine in Nuancen andere Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes hätte erwarten lassen. Alle drei Finalisten hatten sich für Antonin Dvoráks Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll op. 104 entschieden, für welches das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Christoph Poppen die orchestrale Grundlage bereitete.
Aufgrund einer außerordentlichen Leistung wurde Julian Steckel mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. Beherzt zupackend und mit der nötigen Emphase in den schnellen Passagen, klug gestaltend, seinen schönen großen Ton vor allem im langsamen Satz immer wieder noch im Erklingen modulierend bewies der 1982 geborene deutsche Cellist Überblick und Augenmaß. Wie schon im Finale Klavierduo deckte sich die Meinung der mit der Vorsitzenden Pamela Rosenberg (USA), Thomas Demenga (Schweiz), Ophélie Gaillard (Schweiz), Marie Hallynck (Belgien), Sadao Harada (Japan) und Jan Vogler (Deutschland) international besetzten Jury mit der Meinung des Publikums, das dem jungen deutschen Nachwuchskünstler auch den Publikumspreis zusprach. 
Julian Steckel
Foto: BR/Dorothee FalkeJulian Steckel begann mit fünf Jahren mit dem Cellospiel und erhielt zunächst Unterricht von Ulrich Voss, bevor er bei Gustav Rivinius an der Hochschule für Musik in Saarbrücken studierte. Später führte ihn sein Weg zu Boris Pergamenschikow an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und an die Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, wo er Schüler von Heinrich Schiff war. Derzeit vervollständigt er sein Studium bei Antje Weithaas in Berlin.
Mit dem Zweiten Preis ausgezeichnet wurde der 1986 in Niigata (Japan) geborenen Gen Yokosaka, der in Ausdruck und Tiefgang dem Gewinner kaum nachstand und ebenfalls zu überzeugen wußte. Ihm wurde darüber hinaus der mit 3.000,- Euro dotierte Brüder-Busch-Preis zuerkannt. Gen Yokosaka erhielt bereits im Alter von vier Jahren seinen ersten Violoncellounterricht. Er studierte an der Toho Gakuen School of Music und erhielt Unterricht an der Ishikawa Music Academy bei Hakuro Mohri, David Geringas und Jiang Wang. Derzeit studiert er an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bei Jean-Guihen Queyras.
Der Dritte Preis ging an den 1985 in Paris geborenen Cellisten Tristan Cornut aus Frankreich. Routiniert und souverän stellte er sich seiner Aufgabe und lieferte ein glatt poliertes Dvorák-Konzert ab. Seinen ersten Cello-Unterricht erhielt Tristan Cornut im Alter von fünf Jahren. 
Tristan Cornut
Foto: BR/Dorothee FalkeVon 1995 bis 2001 war er Schüler bei Annie Cochet am Pariser Conservatoire à Rayonnement Régional. Anschließend studierte er am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris in der Klasse von Rolland Pidoux und beendete sein Studium 2006 mit dem Diplom in den Fächern Violoncello und Kammermusik. Derzeit absolviert er ein Solistenstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart in der Klasse von Jean-Guihen Queyras.
Die Preisträgerkonzerte des 59. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD findet am 8., 9.(Prinzregententheater) und 10. September 2010 (Herkulessaal) jeweils um 20.00 Uhr im statt.
Josef Manhart, 3.9.2010